In der Warenausgabe unseres Lagers kann man seit Kurzem ein faszinierendes Unikat bestaunen: das Kunstprojekt „Das letzte Konzert“. Es handelt sich um einen kunsthandwerklich aufgearbeiteten Flügel aus dem Jahre 1922. Seine neue Bestimmung liegt darin, Betrachter, die dem Objekt zufällig bei uns begegnen, zu überraschen und das persönliche Augenmerk für einen spannenden Moment weg vom Alltag hin zur Kunst zu lenken.
Urheber des Artefakts ist der Künstler Roland Becker aus Rheinland-Pfalz. Becker, selbst auch Musiker, entwickelt und fertigt mit DESIGN SURFACES aussagekräftige, einzigartige, handgemachte Oberflächen aus den unterschiedlichsten Werkstoffen und erschafft damit puristische, authentische Kunstwerke.
Welche Geschichte erzählt uns „Das letzte Konzert“?
Roland Becker: „Es erzählt uns die Geschichte eines über 100 Jahre alten Julius-Kreutzbach-Flügels, der um ein Haar auf der Mülldeponie gelandet wäre. Nun aber ist ihm neues Leben eingehaucht worden und die Performance des ‚letzten Konzerts‘ kann noch sehr lange andauern …“
Sie sind selbst auch Musiker.
Roland Becker: „Ja, ich spiele schon seit meinem achten Lebensjahr Akkordeon. Später haben sich die Klarinette, das Saxophon und das E-Piano dazugesellt. Eine Affinität und Liebe zu Musikinstrumenten – man kann mit ihnen ja so wahnsinnig tolle Emotionen erzeugen! – ist bei mir schon immer vorhanden.“

Der Julius-Kreutzbach-Flügel ist nicht das erste Instrument, dessen Sie sich als Oberflächendesigner annehmen, richtig?
Roland Becker: „Richtig. Ich mag es, in Kleinanzeigen nach alten Instrumenten zu suchen, die nicht mehr bespielbar sind oder für wenig Geld verkauft werden sollen. Für mich liegt ein besonderer Reiz darin, solchen Instrumenten, die vielleicht schon lange ausgedient haben, durch kreative Ideen und ausgefallenes Design eine neue Wertigkeit zu verschaffen. Natürlich stöbere ich nicht nur in Kleinanzeigen, sondern wir nehmen in erster Linie Auftragsarbeiten für das Design von Oberflächen an oder entwickeln gemeinsam mit unseren Kunden Ideen zur Umgestaltung von Möbeln oder eben auch Instrumenten …. – Aber, um wieder zum Thema zurückzukommen, eines Tages las ich auf jeden Fall in einer Kleinanzeige die Überschrift ‚Flügel zu verschenken‘.“
Und so kamen Sie und der Flügel zusammen …
Roland Becker: „Ja, ich nahm Kontakt mit dem Besitzer des Flügels auf und erfuhr, dass der Flügel rasch abgeholt werden müsse, da er ansonsten auf der Mülldeponie landen würde. Diese traurige Vorstellung hat meine Musikerseele sehr berührt, sodass ich spontan zugesagt habe, den Flügel – ca. 300 km von uns entfernt – abzuholen. Ich fand den Flügel in einem sehr heruntergekommenen Zustand, zerlegt auf einer Palette liegend, vor. Das war am 24. April 2024. Mir kam sofort eine Idee, wie ich ihm neues Leben einhauchen und zu neuem Glanz verhelfen könnte. ‚Das letzte Konzert‘ war geboren.“
Wie lange haben Sie an dem Projekt gearbeitet?
Roland Becker: „Ich konnte nicht jeden Tag an dem Flügel arbeiten, aber insgesamt hat sich das Projekt über einen Zeitraum von 14 Monaten erstreckt. Als ich mich an die Arbeit machte, stand ich doch einige Male vor dem Flügel und habe mich gefragt: Was mache ich da eigentlich – bekomme ich das wirklich so hin, wie ich mir das vorgestellt habe? Letztendlich stecken ungefähr 160 Stunden Arbeit in dem Projekt. Der Umbau an sich hat etwa 70 Stunden gedauert, die Oberflächenbearbeitung ca. 60 Stunden und der Zusammenbau, die Beleuchtung und das Finish nochmals etwa 30 Stunden. Ein guter Freund von mir, Thomas Herbrand, seines Zeichens Schreinermeister mit eigener Werkstatt, hat mich beim Umbau tatkräftig und fachkundig unterstützt.“

Welche Designelemente und gestalterischen Details haben Sie dem guten Stück angedeihen lassen?
Roland Becker: „Nachdem der Flügel über 100 Jahre alt war, habe ich mich für eine besondere Vintage-Oberfläche entschieden: eine Goldmessing-Haut in Vintage-Optik. Diese Oberfläche ist bereits patiniert und wird sich auch im Laufe der Zeit noch weiter verändern. Die Front ist von mir handbemalt und stellt ein Quartett dar, mit dem der Flügel nun seinen letzten Auftritt performt. Er bekam auch noch eine Bühnenbeleuchtung, die per Funk gedimmt werden kann. Hinter der halben Flügelklappe verbirgt sich außerdem noch ein Barfach.“
Und jetzt darf der Flügel mit neuer Bestimmung zu einem neuen Besitzer?
Roland Becker: „Ja. Nach so viel gemeinsamer Zeit ist er mir wirklich sehr ans Herz gewachsen, aber ich würde mich trotzdem sehr freuen, wenn er ein neues Zuhause bei einem begeisterten Menschen findet.“
