Wie unterscheiden sich Zug- und Ventilposaune?

Die Zugposaune ist die gängige Bauform bei Posaunen, während die Ventilposaune eher eine Sonderstellung einnimmt. Dennoch gibt es durchaus Regionen und Musikstile, in denen die Ventilposaune sogar die bevorzugte Rolle spielt. So präferiert man die Ventilposaune zum Beispiel in Österreich, häufig im Zusammenhang mit alpenländischer Volksmusik. Und auch Trompeter, die dann und wann in der tieferen Posaunenlage spielen, sich aber nicht erst mit den Zugpositionen und der damit zusammenhängenden besonderen Spieltechnik der Zugtrompete vertraut machen möchten, greifen gerne zur Ventilvariante.

Tonerzeugung und Veränderung der Tonhöhe

Die Tonerzeugung an sich, das heißt das Erzeugen der Naturtöne, geschieht bei der Zug- und bei der Ventilposaune (und überhaupt bei allen Blechblasinstrumenten) auf die gleiche Weise: durch die Lippenschwingung des Bläsers und die in das Mundstück bzw. das Instrument geblasene Luft.

Hinsichtlich der Tonhöhenveränderung (um Halbtöne) unterscheiden sich jedoch die Funktionsweisen bei der Zug- und der Ventilposaune.

Bei der Ventilposaune werden höhere oder tiefere Töne über das Betätigen von Perinet- oder Drehventilen erzeugt. Ventilposaunen haben drei bis vier Ventile, wobei häufiger Perinetventile als Drehventile verbaut sind. Drückt man ein Ventil, wird der diesem Ventil zugeordnete Ventilzug (zusätzliches Rohrstück) aktiviert/hinzugezogen. Hierdurch wird die Luftsäule insgesamt verlängert und es resultiert ein tieferer Ton.

Ventilposaune mit Bezeichnungen: Perinetventile und zugehörige Ventilzüge.
Jupiter JTB700V Bb Ventilposaune: Bei einer Ventilposaune wird die Luftsäule durch das Betätigen der Ventile bzw. das Hinzunehmen der entsprechenden Ventilzüge verlängert.

Bei der Zugposaune übernimmt diese Aufgabe der (Außen-) Zug mit seinen verschiedenen Zugpositionen. Von einer Zugposition zur anderen unterscheidet sich die Tonhöhe jeweils um einen Halbton. Schiebt der Posaunist den Zug von sich weg bzw. weiter hinaus, wird hierdurch die Luftsäule verlängert und es resultiert ein tieferer Ton. Umgekehrt ergeben sich durch eine Verkürzung der Luftsäule (Heranziehen des Außenzuges) höhere Töne.

Zugposaune mit Bezeichnungen der Bauteile.
Bezeichnungen bei einer Tenorposaune. Die am weitesten verbreiteten Zugposaunen sind die Tenor- und die Bassposaune. Der Zug besteht aus Teleskoprohren (Innenzug und Außenzug). Damit der Zug leichtgängig und reibungsarm läuft, muss er regelmäßig geschmiert werden.

Glissando

Da man die Tonhöhe bei der Zugposaune durch die gleitende Bewegung des Zuges verändert, kann man nicht nur von einer Position zur anderen, sondern gleichzeitig auch von einem Ton zum anderen gleiten, das heißt: mit der Zugposaune ist ein Glissando möglich. Dieser besondere Effekt ist mit der Ventilposaune nicht machbar.

Trompetenverwandtschaft

Obwohl auch die Zugposaune zu den Trompeteninstrumenten gezählt wird, ist die Verwandtschaft der Ventilposaune zur Trompete angesichts der übereinstimmenden Ventiltechnik deutlich ausgeprägter. Grundsätzlich ähneln sich die Mensuren von Trompeten und Posaunen (sowohl Zug- als auch Ventilposaune) sehr: Bei beiden Instrumenten verläuft das Rohr zu etwa einem Drittel konisch und zu etwa zwei Dritteln zylindrisch.

Flinke Finger

In Bezug auf das Spielen schneller Passagen hat im Grundsatz die Ventilposaune die Nase vorn. Natürlich kommt es immer auch auf das Können des Posaunisten an, aber schnelle Passagen mit einer Zugposaune sauber umzusetzen, ist zweifelsohne deutlich schwieriger als mit der Ventilposaune.

Ein Cimbasso im Bläserraum des Musikhaus Kirstein.
Auch das ausgefallene Cimbasso gehört zu den Ventilposaunen. Es hat den Tonumfang einer Basstuba und den Klang einer Posaune. Cimbassi werden meist von Tubisten gespielt.

Quartposaune: Zugposaune mit zusätzlichem Ventil

Es gibt Zugposaunen, genauer: Tenorposaunen, die mit einem zusätzlichen sogenannten Quartventil ausgestattet sind. Man nennt diese Posaunen „Quartposaunen“. Betätigt man das Ventil (im Gegensatz zur Ventilposaune werden bei mit Ventilen ausgestatteten Zugposaunen eigentlich fast immer Drehventile verwendet), wird die Luftsäule zusätzlich verlängert, sodass der Tonumfang nach unten hin noch erweitert wird. Man kann das Ventil außerdem zu Hilfe nehmen, um Töne in alternativen, bequemeren Zugpositionen zu realisieren. Dies wird vor allem im unteren Register, also bei den tiefen Tönen, relevant. Auch Bassposaunen besitzen normalerweise ein Ventil, häufig auch zwei.

Nahaufnahme des Drehventils einer Quartposaune.
Drehventil einer Quartposaune

Glossar

Cimbasso
Bass- oder Kontrabass-Ventilposaune mit 4-5 Ventilen, die unter anderem gerne in italienischen Opern eingesetzt wird.

Glissando
Der Begriff leitet sich vom französischen Wort „glisser“ = gleiten ab. Glissando beschreibt die gleitende Veränderung, also einen kontinuierlichen Tonfluss, von einem Ton zum anderen. Glissandi sind unter anderem möglich mit der Zugposaune (nicht mit der Ventilposaune), mit der Gitarre („Sliden“ = Gleiten über die Saiten), mit Synthesizern oder auch der menschlichen Stimme.

Luftsäule
Als Luftsäule bezeichnet man allgemein die Luftmenge, die sich in einem röhren-/säulenförmigen Behälter befindet. Dieser Behälter kann offen oder geschlossen sein. Beim Blasinstrument wird die Luftsäule durch die Länge und Breite des Blasinstrumentenkorpus definiert.

Perinetventil
Pumpventil

Register
Tonhöhen-Bereich

Quellen/Bilder:
de.wikipedia.org/wiki/Cimbasso
de.wikipedia.org/wiki/Glissando
de.wikipedia.org/wiki/Luftsäule
de.wikipedia.org/wiki/Posaune
de.wikipedia.org/wiki/Register_(Musik)
mvgielsdorf.de/das-orchester/unsere-register/posaune/
pixabay.com/de/photos/trompete-zugtrompete-musikinstrument-1495108
pixabay.com/de/vectors/formen-elemente-pfeile-point-linie-1394532
reisser-musik.de/blog/ratgeber/wissenswertes-ueber-die-posaune/

Letzte Aktualisierung:

Dieser Beitrag wurde am von in Beratung veröffentlicht.

Von Jutta Kuehl

Jutta Kühl, PR und Texterin bei Musikhaus Kirstein GmbH.